Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren – Polizei blitzt mobil

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Videonachfahrsysteme gegen Geschwindigkeitsüberschreitungen

Ein gleichbleibender Abstand zwischen Polizeiauto und Vorausfahrendem ist bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren wichtig.

Ein gleichbleibender Abstand zwischen Polizeiauto und Vorausfahrendem ist bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren wichtig.

Geschwindigkeitsüberschreitungen zählen in Deutschland zu den häufigsten Verkehrsverstößen. Oftmals geschehen durch zu hohe Geschwindigkeiten auch Unfälle, die Personenschäden oder gar Todesfälle zur Folge haben.

Um diese Verstöße der Temposünder einzudämmen, sorgen Polizei und Ortschaften vermehrt dafür, dass Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt werden. Ortschaften kaufen für mehrere tausend Euro stationäre Blitzeranlagen, die an Unfallschwerpunkten angebracht werden und Raser stoppen sollen.

Die Polizei setzt auf die mobile Geschwindigkeitsmessung. Dazu zählen unter anderem auch die Videonachfahrsysteme. Die Geschwindigkeitsmessung wird durch Nachfahren durchgeführt. Wie genau dies funktioniert und inwiefern sich ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid lohnt, erfahren Sie im Folgenden.

Folgende Modelle zur Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren gibt es:

Anwendungsbereiche der Videonachfahrsysteme

Oftmals werden Geschwindigkeitsmessungen durch Nachfahren auf Autobahnen oder Schnellstraßen durchgeführt, welche keine stationären Blitzer aufweisen. Zivilfahrzeuge der Polizei versuchen so Verkehrssünder zu stoppen.

Diese Variante der Messung ist besonders vorteilhaft, da Radios oder Navigationssysteme nur vor bestimmten Aufstellungsorten der Messgeräte warnen. Bei Videonachfahrsystemen ist dies allerdings nicht möglich.

Auch im Straßenverkehr fällt Autofahrern diese Geschwindigkeitsmessung eher selten auf, da die Kameras sehr klein und unauffällig sind. Nachteil ist allerdings, dass die Technik sehr kostspielig ist und auch das Auto der Polizei in zivil ausreichend motorisiert sein muss, um Raser fassen zu können.

Messmethoden der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren

Bei der Section Control Geschwindigkeitsmessung muss das Tachometer geeicht sein.

Bei der Section Control Geschwindigkeitsmessung muss das Tachometer geeicht sein.

Früher wurde die Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren anhand eines Vergleichs des Tachowertes vom Messfahrzeug durchgeführt. Der gleichbleibende Abstand zwischen beiden Autos führte dazu, dass der Tacho des Polizeifahrzeugs in etwa die gleiche Durchschnittsgeschwindigkeit angezeigt hat, wie die des Verkehrssünders.

Heutzutage besteht die Möglichkeit zwei unterschiedliche Methoden zur Geschwindigkeitsbestimmung eines Fahrzeuges zu nutzen. Diese sind:

  1. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Messfahrzeugs wird bestimmt, indem diese auf ein schnelleres Fahrzeug übertragen wird.
  2. Die direkte Bestimmung der Geschwindigkeit des Fahrzeugs, welches gemessen werden soll.

Die erste Methode ist nicht zwangsläufig auf einen gleichbleibenden Abstand der Fahrzeuge angewiesen. Wichtig hierbei ist der gleiche Abstand bei Beginn und zum Ende der Messung. Dieser darf nämlich nicht kleiner sein als zu Anfang.

ProViDa-Modular 2000 misst die vom Zivilfahrzeug zurückgelegte Strecke und die dafür benötigte Zeit nach dem Weg-Zeit-Prinzip. Das bedeutet also:

Strecke : Zeit = Geschwindigkeit in Stundenkilometern

Die zweite Methode benötigt eine festgelegte Messtrecke am Fahrbahnrand. Innerhalb dieser Strecke wird dann sowohl die Länge als auch die benötigte Durchfahrtszeit eines Kraftfahrzeugs ermittelt.

So funktioniert die Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren

Auch bei Gschwindigkeitsmessung durch Nachfahren droht ein Bußgeld.

Auch bei Gschwindigkeitsmessung durch Nachfahren droht ein Bußgeld.

In einem Polizeifahrzeug mit geeichtem Tacho sind eine Heck- und eine Frontkamera eingebaut. Ein sogenanntes ProViDa-System – umgangssprachlich auch Police-Pilot-System genannt – kann das Tempo dann errechnen. Dies funktioniert folgendermaßen:

  1. Das Polizeifahrzeug muss direkt hinter dem Temposünder fahren und einen gleichbleibenden Abstand einhalten.
  2. Durch Wegstreckenimpulse pro Zeiteinheit wird vom ProViDa-System die Geschwindigkeit ermittelt.
  3. Der Bildschirm im Auto zeigt den Beamten sowohl die zurückgelegte Strecke in Metern als auch die Zeit in Form von Frames (ein Frame = 0,04 Sekunden) an. Zudem wird auch die derzeit gefahrene Geschwindigkeit angezeigt.
  4. Bei Bedarf kann auf Knopfdruck das Video aufgezeichnet werden, welches dann als Beweismittel gegen den Raser verwendet werden kann.

Die Heckkamera in Verbindung mit ProViDa ermöglicht außerdem, dass nicht nur hinter dem zu schnellen Autofahrer gemessen werden kann, sondern auch vor ihm. In diesem Fall fährt das Fahrzeug der Polizeibeamten voraus und kann durch den gleichbleibenden Abstand ebenfalls das Tempo ermitteln.

Die Kameras verfügen über die Besonderheit, dass sich die Brennweite nicht verändern lässt. Das bedeutet, dass sich der Bildwinkel und damit auch der Bildausschnitt unveränderbar ist. Zudem sind die Kameras nur so groß wie ein Finger und dadurch sehr unauffällig.

Generell wird die Videofunktion nur kurzfristig verwendet, um Beweismittel zu sichern. Eine permanente Aufzeichnung ist aus Gründen des Datenschutzes und durch eine knappe Videobandkapazität nicht möglich.

Interessant: In Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen werden sogar Motorräder zur Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren eingesetzt. Diese verfügen dann – wie die Autos – über eine entsprechende Ausrüstung.

Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen

Sind Sie zu schnell auf deutschen Straßen unterwegs, können hohe Strafen auf Sie zukommen. Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 41 km/h auf der Autobahn droht laut deutschem Verkehrsrecht bereits ein Bußgeld von 160 Euro sowie zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot.

In Österreich kann ein Geschwindigkeitsverstoß von über 50 km/h sogar bis zu 2.180 Euro kosten. Überschreiten Sie in England die Höchstgeschwindigkeit um über 50 km/h droht sogar ein Bußgeld von bis zu 5.600 Euro.

Toleranzen der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren

Generell ist wichtig, dass bei ProViDa 2000 für mögliche Messfehler 5 km/h bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h abgezogen werden. Ab einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 100 km/h gelten 5 % als Toleranzwert.

Dies sind relativ hohe Werte, wenn bedacht wird, dass bei Geschwindigkeitsmessung mit Radar, Lichtschranke oder Laser nur 3 % der gefahrenen Geschwindigkeit als Toleranz abgezogen werden.

Messfehler der Videonachfahrsysteme

Die Messtrecke muss genau ausgemessen werden.

Die Messtrecke muss genau ausgemessen werden.

Die hohen Toleranzwerte sind nicht ohne Grund gewählt. Bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren ergeben sich häufig Messfehler, die einen Bußgeldbescheid ungültig machen können.

Mögliche Messfehler sind:

  • Tacho nicht geeicht: Wenn der Tachometer nicht regelmäßig geeicht wird, ist es möglich, dass Ihre Geschwindigkeit nicht präzise dokumentiert werden konnte.
  • Abstand zum verfolgten Auto nicht eingehalten: Die Geschwindigkeit des vorausfahrenden oder folgenden Fahrzeugs kann nicht richtig berechnet werden.
  • Dokumentation fehlerhaft: Wurde die Länge der Messstrecke falsch dokumentiert oder sind auf dem Video nicht alle Werte angegeben, kann die Messung durchaus fehlerhaft sein.

Für die Messtrecke gibt es besondere Werte, die eingehalten werden müssen, damit eine Messung Gültigkeit erlangt. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat in verschiedenen Fällen bereits gerichtliche Urteile gefällt, woraus sich folgende etwaige Richtwerte ergeben:

Länge der MessstreckeVermeintliche Geschwindigkeit
300 - 400 m50 - 70 km/h
400 - 600 m 71 - 90 km/h
500 m oder mehr91 - 120 km/h
1 kmüber 120 km/h

Messfehler bei Nacht

Besonders bei Dunkelheit und zur Nachtzeit entstehen bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren schnell Messfehler. Besonders der Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen lässt sich bei Nacht durch schlechte Sichtverhältnisse oftmals nicht ordentlich feststellen.

Ist das vorausfahrende Fahrzeug nicht genügend ausgeleuchtet oder sind die Umrisse nicht sichtbar, kann die Geschwindigkeit nicht ordnungsgemäß berechnet werden, da der Abstand eventuell nicht gleichbleibend ist.

Einspruch gegen Bußgeldbescheid

Innerhalb von 14 Tagen können die Betroffenen gegen jeden Bußgeldbescheid Einspruch einlegen. Dies kann sich besonders lohnen, wenn Sie einen Messfehler hinter der vermeintlichen Geschwindigkeitsüberschreitung vermuten. Eine Rechtsberatung und Unterstützung beim Einspruch kann Ihnen ein Anwalt bieten.

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